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The Art of Attacking Chess Drucken E-Mail
Benutzer Bewertung: / 10
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Geschrieben von Martin Rieger   
Sonntag, 22. Juni 2008

Zenon Franco

The Art of Attacking Chess

lxfrataoac.jpg

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Sprache: Englisch

Verlag: Gambit

ISBN2:978-1-904600-97-8

254 Seiten, kartoniert, 1. Auflage 2008.

Erhältlich bei Schach Niggemann

 

Wie spielt man erfolgreich auf Angriff, welche maßgeblichen Faktoren beeinflussen den Erfolg oder Misserfolg eines Angriffs und was muss gegeben sein, um überhaupt einen Angriff zu starten?

GM Zenon Franco geht dieser Frage in seinem Buch „The Art of Attacking Chess“ nach und untersucht 33 Partien, in denen diese und ähnliche Fragen aufgeworfen werden. Nach jedem Kapitel kann der Leser anhand einiger Übungsaufgaben sein frisch erworbenes Wissen ausgiebig testen. Die umfangreichen Kommentare und Analysen Francos helfen beim besseren Verständnis des erfolgreichen Angriffspiels und vermitteln wertvolles Wissen um Taktik und dessen Umsetzung. Wobei man in Sachen Taktik schon einigermaßen geübt sein muss um vielen Beispielen im Buch überhaupt folgen zu können.

Ein Beispiel soll das verdeutlichen: Karjakin,S (2686) - Van Wely,L (2674) [B90] Aerosvit Foros 2007 1.e4 c5 2.Sf3 d6 3.d4 cxd4 4.Sxd4 Sf6 5.Sc3 a6 6.Le3 e5 7.Sf3 Le7 8.Lc4 0-0 9.0-0 Sc6 10.Te1 b5 11.Lf1 Tb8 12.Lg5 Sg4 13.Lc1 Db6 14.Dd2 Sf6 15.h3 Te8 16.Dd1 h6 17.b3 Lf8 18.a4 b4 19.Sd5 Sxd5 20.exd5 Sa5 21.Le3 Dc7 22.Sd2 f5 23.Sc4 Le7 24.Dh5 Tf8 25.Sxa5 Dxa5 26.Lxh6 gxh6 27.Dg6+ Kh8 28.Dxh6+ Kg8 29.Dg6+ Kh8 An dieser Stelle scheint es kein Weiterkommen zu geben, die Idee Txe5 nebst Lc4 und d6 scheitert an Dd8! Weiß fand aber den schwer zu sehenden Gewinnzug 30.Te3!! (Tg3 droht) und nach 30…f4 funktioniert die ursprüngliche Idee 31.Txe5! (nun ist die fünfte Reihe frei!) wegen dxe5 32.Dh6+ Kg8 33.d6 Tf7 34.Lc4 Lf5 35.dxe7 1-0

Wie gesagt, man muss in Sachen Taktik schon einigermaßen bewandert sein, um vollen Nutzen aus dem Buch ziehen zu können sonst läuft man Gefahr, zwar wunderbare Angriffspartien bestaunen zu dürfen, der Lerneffekt sich aber für eigene Partien in Grenzen hält. Aus diesem Grund wären meiner Meinung nach mehr einfachere Beispiele zu Anfang durchaus angebracht gewesen.

Positiv vermerken möchte ich das durchaus erkennbare Bestreben des Autors, seinen Lesern nicht nur „schöne Partien“ zu servieren, sondern auch den Weg zum erfolgreichen Angriff zu ebenen mit vielen Erklärungen und Hinweisen. Ob das aber genügt um in der Praxis tatsächlich erfolgreich zu sein, möchte ich bezweifeln.

Meiner Meinung nach genügt es nicht, eine Anzahl von kommentierten Partien aneinanderzureihen und diese als Leitfaden für erfolgreiches Angriffsspiel zu präsentieren. Zwar kann man hieraus sicher sehr viel lernen wie man aggressive Züge ausführt und wie man alle seine Figuren Richtung gegnerischen Königsflügel wirft aber was bringt das für das eigene Spiel? Die Formel für erfolgreiches Angriffsspiel lautet bestimmt nicht: Wirf alle deine Figuren nach vorne und dann schau, was sich so ergibt.

Ich hätte mir eine etwas differenziertere Herangehensweise gewünscht mit einfachen, klaren Beispielen wie erfolgreiche Angriffsspieler ihre Partien aufbauen und gestalten. Was kann man als normaler Vereinsspieler von einer Partie wie Anand-Adams (San Luis 2005) lernen, in der Anand irgendwo im 20.Zug herum eine 10 Jahre geheim gehaltene und intensiv ausanalysierte Neuerung bringt, die ihm gefährlichen Angriff gibt? Besser wäre es gewesen, der Autor hätte alte Morphypartien ausgegraben, dort sieht man die wunderbare Gabe Morphys für schnelle und harmonische Figurenentwicklung. Oder was ist den Partien von Nezhmedinov, nach Meinung vieler Großmeister und Experten der beste Angriffsspieler aller Zeiten? Franco wäre mit den Klassikern besser gefahren, einfach aber auch für die meisten Leser verständlicher und nachvollziehbarer. Gerade in den Beispielen, in denen Franco ältere Partien vorführt, hatte ich das Gefühl wirklich etwas zu lernen und für mich zu behalten. Hier kann das Buch voll und ganz überzeugen!

Zusammenfassend beurteile ich das Buch als zufrieden stellend, hätte mir aber mehr klassische Beispiele gewünscht. Erfolgreiches Angriffsspiel kann man nicht von heute auf morgen lernen, mit diesem Buch ist zumindest ein kleiner Anfang gemacht.

Ich danke der Firma Schach Niggemann für das Rezensionsexemplar.

Martin Rieger, Juni 2008 Freechess.info

» 6 Kommentare
1"Welches Buch ist besser?"
am Mittwoch, 25. Juni 2008 08:31von Pit Wegener
Der Rezensent stellte am 17.4.08, also vor kaum zwei Monaten, das "Attacking Manual 1" von J. Aagaard vor. Jetzt bespricht er wieder ein Lehrbuch zum Angriff im Schach.  
Warum schafft Martin Rieger es nicht, beide Bücher zu VERGLEICHEN, zum Nutzen von uns Lesern. 
 
Einige Fragen, die sicher jeder potenzielle Buchkäufer gern beantwortet bekäme, lauten: 
Welches von beiden Büchern ist nach Meinungl des Rezensenten besser? 
Wieviel besser? 
Warum besser?  
Für wen (Spielstärke) besser? 
Wie sieht es mit dem Preis-Leistungverhältnis aus zwischen beiden Titeln? 
(Ich meine Seitenzahl u. schachlichen Gehalt bezogen auf den Preis). 
Kaum ein Interessent wird beide "Attack"-Bücher kaufen. Welches würde der Rezensent vorziehen, und warum? 
 
Nichts zu alledem, leider!  
Buchbesprechungen sollten mehr sein als sprachlich ausgebreitete Inhaltsangaben.  
 
Pit Wegener
2Kommentar
am Mittwoch, 25. Juni 2008 18:23von Martin Rieger
Wie bereits schon einmal erwähnt, schreibe ich keine vergleichenden Rezensionen. Warum? Was, wenn in 2 Wochen wieder ein vergleichbares Buch erscheint, sollte ich dann dieses mit den bereits erschienenen vergleichen? Ich glaube, das würde zu weit führen. Sinn einer Rezension ist es, den Leser über den Inhalt zu informieren und eine persönliche Ansicht zu formulieren. Sinn einer Rezension ist es NICHT, alle bereits erschienenen vergleichbaren Werke miteinander zu vergleichen. Genauso ist es nicht Sinn einer Rezension, auf den Preis des Buches einzugehen, diesen kann man überall im Internet nachlesen. MFG Martin Rieger
3Kommentar
am Mittwoch, 2. Juli 2008 06:43von Pit Wegener
Im April, also vor gerade einmal zweieinhalb Monaten, hast du Jacob Aagaards Angriffsmanual hier vorgestellt, und jetzt Zenon Francos Buch über die Kunst des Angriffs im Schach. 
 
Nehmen wir an, du spielst in einem Verein. Dort fragt dich ein Kumpel: 
\\\"Ich will meinen Angiff verbessern und suche dazu ein gutes Lehrbuch. Würdest Du mir eher zum neuen Buch von Aagaard raten oder zu Franco?\\\" 
 
Was antwortest Du Deinem Vereinskameraden? 
 
Pit Wegener
4Kommentar
am Mittwoch, 2. Juli 2008 17:37von Martin Rieger
Wer die Rezensionen gelesen hat, wird bemerkt haben, daß ich Aagaard´s Teil 1 als sehr gut empfunden habe (Teil 2 erscheint übrigens bald). Bei Franco hatte ich einige Sachen kritisiert, die mich gestört hatten. Welches würde ich nun wohl empfehlen? Völlig klar, Aagaard´s Buch, weil: hier wurde wirklich auf Qualität geachtet und die Beispiele sind gut gewählt. 
Aber zur Frage des "Vereinskameraden" muss ich sagen, daß die Antwort natürlich immer subjektiv und nie für die Algemeinheit gültig ist, soll heißen, jeder hat einen anderen Geschmack, andere Vorlieben usw. 
Außerdem ist es generell schwer, aus der Ferne für jeden das Richtige zu empfehlen. Bei den Rezis lese ich das Buch unvoreingenommen, bilde mir meine eigene Meinung und versuche, so gut es geht, es zu beschreiben und zu beurteilen. Du hast mich aber auf eine gute Idee gebracht und vielleicht werde ich demnächst ein paar ausgewählte Bücher für jeden Bereich besonders hervorheben. Schöne Grüße! Martin
5Kommentar
am Donnerstag, 10. Juli 2008 19:10von Berolinao
@Martin: Du hast sicher orthodox-streng-genommen recht - bei einer "klassischen" Rezension bleibt man nur bei einem Werk. Nun habe ich auch "vergleichende Rezensionen" gelesen und empfand sie ebenfalls als hilfreich. Es geht ja nicht darum, das eine Buch runterzuziehen, es gibt ja auch Fälle, da hat Buch 1 kleine Schwächen, andere Stärken, bei Buch 2 liegen Stärken und Schwächen anders. (Möglicherweise sind beide Bücher zusammen durchaus empfehlenswerter als eines allein?) Oder aber die Bücher sind absichtlich unterschiedlich akzentuiert oder sind jeweils für unterschiedliche Spielstärken angebracht. Mit dem Vergleichen soll man es natürlich auch nicht übertreiben. Überschaubarer Zeitraum (2 Jahre vielleicht?, kein Anspruch auf Vollständigkeit) und/oder evtl. Vergleich mit einem echten Klassiker, das ist sicherlich machbar. Natürlich bist du nie "haftbar" zu machen ;-) denn gute Rezensionen sind als um Objektivität bemühte subjektive Ansichten zu se
6Kommentar
am Donnerstag, 10. Juli 2008 19:13von Berolinao
... (zu se)hen, denke ich. Mir helfen deine Rezensionen (und dem Schachbuchhandel auch. ;-) Grüßend Berolinao
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